STRESS

9/11-Trauma, Ideologie der gewalttätigen Genugtuung, Militärdienst als patriotische Familientradition, die „Unfairness“ heutiger Kriegsführung – fünf junge Veteranen des Afghanistankriegs setzen aus dem Off zunächst ein Fundament bekannter Bauart. Joe, Torrie, Mike, James und Justin aus Pittsburgh wenden uns nur langsam ihr Gesicht zu. Körperlich unversehrt, aber mit innerem Schmerz, sind sie nach ihrer Rückkehr zu Unverstandenen geworden. Ihre brutale Erfahrung spricht eine Sprache, die das Umfeld zu Hause nicht versteht.

 

„Stress“ setzt mit einer künstlerischen Form an, die das gesprochene Wort mit all seinen untrüglichen Gefühlszeichen beeindruckend heraushebt und das Kokondasein sowie die Spannung eines permanenten Alarmzustands in aller Komplexität physisch erlebbar vermittelt. In extremer Langsamkeit begleiten Kamera und Sound mit Alltagsaufnahmen albtraumwandlerisch die mündlichen Beschreibungen der Kriegserlebnisse. Plastische Beinahe-Stillleben entstehen, in denen alles von allen Seiten betrachtet werden kann, aber doch ungreifbar bleibt. Es offenbart sich ein Leben hinter Glas und in einer bleiernen Zeit, die gnadenlos vorangeht, aber kein wirkliches Fortkommen ermöglicht. Die lang nachhallende Coda der berauschenden und beklemmenden Komposition: die Überzeugung von Torrie, dass das Militär am Ende trotz allem ein guter Platz zum 

Erwachsenwerden ist.

 

André Eckardt (Katalogtext DOK Leipzig 2018)

Regie,Buch  Florian Baron 

Kamera Johannes Waltermann
Editor
 Clemens Walter
Tonschnitt Nils Vogel-Bartling 

Tonmischung Linus Nickl 

Sounddesign Jana Irmert

Musik Yunas Orchestra, Jana Irmert, Fatima Camara

Produktion  Machnitzky Filmproduktion

Co-Produzent  Herbert Burkert

 

Festivals (Auswahl) Dok Leipzig 2018

(nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts)

DokFest München

Achtung Berlin (Wettbewerb)

Cleveland International Film Festival (Wettbewerb)

Krakow International Film Festival (Wettbewerb)

 

Preise Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis 2019 

Dok Leipzig 2018 - DEFA-Förderpreis

für einen herausragenden langen deutschen Dokumentarfilm

 

 

 

 

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und Kuratorium junger deutscher Film