KLASSENKAMPF

Wie ist es, als Junge geboren zu werden, der eigentlich ein Mädchen werden sollte? Wie ist es, in die Unterschicht, ins Prekariat, in die Klasse von Arbeitern, Handwerkern, Bauern und ungelernten Fabrikarbeiterinnen Mitte der 60er Jahre in der west­deutschen Provinz hineingeboren zu werden? Wie ist es, diesen vorgezeichneten tradierten Weg verlassen zu wollen und mit dem Wunsch und der Hilfe von Literatur, Theater und Kunst die Herkunft aus der man kommt hinter sich zu lassen, um in eine andere Klasse, die einem fremd anmutet „aufzusteigen“? Es ist ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen. Es heißt, man benötigt vier Gene­ra­tionen, um die Klasse zu wechseln.

 

Der Film KLASSENKAMPF thematisiert die Klassenpolitik und erzählt ganz subjektiv anhand der Biographie des Regisseurs das Porträt einer sozialen Herkunft und stellt nebenbei stell­ver­tretend und exemplarisch für viele, die aus den unteren Schichten der Gesellschaft stammen die Klassenfrage. (Unter wort­gewal­tiger Unter­stützung von Didier Eribon, Annie Ernaux u.a. - über allem schwebend und einflüsternd der Gottvater des experi­men­tellen Kinos Jean-Luc Godard.) Klassenkampf ist ein Film da­zwi­schen, ein dreckiger Hybrid, ein Film zwischen doku­men­ta­rischem Exkurs und inszenier­ten Spiele­reien, als Thesen­film in einer filmi­schen, narra­tiven Intervention.

 

Mit Margarita Breitkreiz („Marija“, „Kaviar“ „Das freiwillige Jahr“) und Lars Rudolph („Der Krieger und die Kaiserin“, Die Werck­mei­ster­schen Harmonien“, „Baby“, „Das kalte Herz“)

 

Kurzer Dialog zwischen einem nicht namentlich genannt werden wollenden Filmkritiker und dem Regisseur:

Filmkritiker: „Der Film wird es schwer haben, sehr schwer, stammen doch die meisten Kritiker, fast alle Journalisten aus bürgerlichem Milieu, aus gehobenen Kreisen, die werden Schwie­rig­keiten haben das zu verstehen.“

Regisseur: „Und?“

Filmkritiker: „Die haben das nicht auf der Agenda.“

Regisseur: „Hm.“

Filmkritiker: „Keine Chance.“

Regisseur: „Hm.“

Filmkritiker: „Und Godard, oje, oje – lebt der eigentlich auch noch?“

Regisseur: „Ja.“

Mit Margarita Breitkreiz, Lars Rudolph

Buch, Bildgestaltung, Regie  Sobo Swobodnik

Kamera  Elias Gottstein, Sobo Swobodnik

Musik  Elias Gottstein

Ton  Richard Meyer

Montage  Manuel Stettner

Farbkorrektur  Christine Hiam

Produzent  Sobo Swobodnik

Produktion  Guerilla Film Koop. Berlin

Verleih  Partisan Filmverleih

 

Festivals  Work-class Festival Merida, Venezuela

Internationales Dokumentarfilmfestival München

Deutscher Wettbewerb

 

 

 

Preise  Work-class Festival Merida, Venezuela
Best Movie, Best Music

nominiert für den dt. Dokumentarfilmmusikpreis


„Klassenkampf auf der Schwäbischen Alb – eine etwas andere Milieustudie.“ Deutschlandfunk Kultur Studio 9

„Ein Thesenfilm mit vielen Schichten. In seinem neuen Film kehrt Sobo Swobodnik in seine alte Heimat zurück. Ein Dokumentarfilm-Essay über Klassenzugehörigkeit und Klassenkämpfe – schlichtweg klasse! Swobodniks Film zeigt, dass es auch anders gehen könnte. Dass man vielleicht gar nicht ankommen muss und die Verhältnisse trotzdem ändern kann. Doch das setzt voraus, sich seiner eigenen Lage bewusst zu werden. Der Erkenntnisgewinn erfolgt stufenweise. Eine erste Stufe ist mit diesem ebenso klugen wie unterhaltsamen Film erklommen. Elias Gottsteins beunruhigende Musik trommelt, rasselt, sägt und klimpert kongenial dazu.“ KINO-ZEIT

„Man denkt immer, dass im Kino die Bilder den Vorrang haben müssten. Dass das eine viel zu enge Sicht auf die Kunstform Film ist, dafür ist Sobo Swobodniks Klassenkampf ein leuchtendes Beispiel... Wobei sämtliche Rollen von ein und derselben Schauspielerin verkörpert werden: Margarita Breitkreiz. Das mag nach kuriosem Slapstick klingen, entwickelt aber in Swobodniks Film einen erstaunlichen Ernst. Wie überhaupt der Film eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Breitkreiz ist das multiple Stand-in für den Regisseur und Autor Swobodnik, und auf ihre wunderbar kraftvolle und originelle Präsenz geht ein guter Teil der Wirkung des Films zurück. Immer wohnt ihren Tätigkeiten vor der Kamera auch ein Rätsel inne. Mal hört man ihre Stimme dazu aus dem Off, mal spricht sie mit sich oder ihren anderen Ichs. Beim Stichwort „ostalbschwäbisch“ verhaspelt sie sich immer wieder, und der Film lässt es stehen, weil es so viel Sinn ergibt: die Herkunft als Klotz am Bein, der einen immer wieder stolpern lässt.“ Der Freitag

„Wütender Thesenfilm. Sein Film nervt und das ist gut so.“ Indiekino-Magazin Berlin

„Sein experimenteller Dokumentarfilm findet eindringliche Bilder für ein Gefühl andauernder Fremdheit... Aber Swobodnik geht noch mehrere Schritte weiter. Zum einen imaginiert er Gesprächssituationen zwischen seinem Film-Ich und Expert:innen wie Daniela Dröscher, Klaus Klemm und Michael Hartmann, die dann jeweils auch von Margarita Breitkreiz gespielt werden. Die Erfahrungen und Beobachtungen der anderen werden Teil eines inneren Dialogs... Bilder für sein zerrissenes Inneres, für den Schmerz und die Wut, die er auch Jahre nach dem Weggang aus der Provinz noch in sich trägt. Mal wirken diese Bilder wie in der Szene, in der eines seiner Alter Egos die gerahmten Fotos an den Wänden des elterlichen Wohnzimmers zerschlägt, sehr direkt. Mal sind sie eher rätselhaft und lassen sich nicht eindeutig entschlüsseln. So entsteht noch einmal ein anderes, vielschichtiges Porträt der ewigen Fremdheit, mit der sich soziale
Aufsteiger ihr gesamtes Leben auseinandersetzen müssen.“ EPD-Film

„Der Regisseur nimmt sein eigenes Leben als Anschauungsunterricht, um Klassenzugehörigkeit, Klassenunterschiede und Klassenkämpfe aufzuzeigen. Und weil das mit ihm selbst im Bild viel zu langweilig wäre, verkörpert kurzerhand Schauspielerin Margarita Breitkreiz den Regisseur. Das ist nicht nur einfallsreich und irre komisch, sondern sieht auch ansehnlich aus, bringt Breitkreiz doch deutlich mehr Sex-Appeal auf die Leinwand als Swobodnik.“ Spielfilm.de

„Der formal einfallsreiche Essayfilm auf den Spuren einschlägiger soziologisch-literarischer Studien reflektiert über die schmerzhaften Folgekosten gesellschaftlicher Emanzipations­pro­zesse, wobei er verschiedene Haltungen durchspielt und Widersprüche, Zwänge und Un­gleich­zeitig­keiten sozialer Ver­änderungen offenlegt...
In einer schönen Anekdote führt der Filmemacher vor Augen, dass die urbanen und ländlichen Milieus sich auf eine Weise ausdifferenziert haben, die in der Konfrontation an eine Zeitreise denken lässt. Und dass die bundesdeutsche Gesellschaft entgegen aller marktwirtschaftlich-neoliberalen Einflüsterungen eine Klassengesellschaft ist. Was ja auch durch und während der Corona-Pandemie so virulent wurde, dass es nicht mehr wegzumoderieren war.“ Filmdienst

„Wohltuend verspielt ...Bilder die Assoziationsräume eröffnen... Margarita Breitkreiz, die den einen Strang der Reflexion ganz allein trägt, ist plötzlich nicht mehr nur eine Person, sondern drei verschiedene, die womöglich unterschiedliche Persönlichkeitsanteile reflektieren. Später spaltet sich die Schauspielerin in eine Doppelrolle. In unterschiedlicher Aufmachung mimt sie Interviewerin und Interviewten zugleich. Die eine stellt interessante Fragen, der andere sagt kluge Dinge, aber nicht im klassischen Setting, sondern dort, wo die Bilder Assoziationsräume eröffnen, etwa in einem Tretboot auf der Spree oder einem Saurierpark.“ Film-Rezensionen

„In seinem fantasievollen Essayfilm für ein experimentierfreudiges Publikum formuliert Regisseur Sobo Swobodnik eine Erfahrung, die viele Menschen teilen: Wie fühlt es sich an, aus kleinen Verhältnissen aufzusteigen, also seine Klasse zu verraten, ohne sich wirklich im neuen Milieu heimisch zu fühlen?“ Cinetastic.de

"Klassenkampf – Porträt einer sozialen Herkunft erzählt von der Rückkehr zum lang verleugneten Selbst. Auf die Alb. Hinter Aalen. Da ist noch: Die Landschaft – das Dorf – das Haus – die Familie – das Ich. Die Kindheit wirkt fort. Unsere soziale Identität werden wir nicht los. Scham. Vererbte Intoleranz. Lustfeindlichkeit. Mit Texten von Daniela Dröscher, Annie Ernaux, Sigmund Freud, Pierre Bourdieu, Michael Hartmann, Georg Sesslen u.v.a. Als Alter Ego des Filmemachers: Die Schauspielerin Margarita Breitkreiz. Toller Score von Elias Gottstein. Sobo Swobodnik arbeitet unabhängig, frei. Seine Produktion heißt: Guerilla. Sein Verleih: Partisan. Zeige Deine Klasse! Großer Wurf." In-München

 

"Landschaft – Dorf – Haus – Familie – Ich. Hineingeboren in eine Welt, in der Urteile längst gesprochen schienen. Aufgewachsen in der Schwäbischen Alb. Der Filmemacher Sobo Swobodnik erforscht sein Herkunftsmilieu. Dabei führt ihn die Analyse des sozialen Gewebes, in das er verstrickt ist, zu der Einsicht, dass die Mechanismen der Kindheit im Erwachsenenalter fortwirken. Doch nicht nur das: Auch mit neuen Schamgefühlen hat der Milieuflüchtige täglich zu kämpfen. Das Porträt einer sozialen Herkunft, verwoben mit einem Exkurs zum Thema Klassenpolitik. Als Alter Ego des Regisseurs führt die wunderbare Schauspielerin Margarita Breitkreiz durch den Film (Achtung: V-Effekt!). Die Geschichte einer Menschwerdung." Ina Borrmann, DOK-Fest München

 

"Wo Třeštíková es schafft, dem Kinopublikum eine Frau aus dem von Soziolog*innen eiskalt »working poor« genannten Milliardenheer verarmter Dauerarbeiter*innen so nahe zu bringen, als wäre sie ein Familienmitglied, setzt der Regisseur Sobo Swobodnik in »Klassenkampf« bereits formal auf Distanz. Er zeichnet seinen Lebensweg aus der nicht nur bürgerlichen Einöde der Schwäbischen Alb bis nach Berlin, wo er heute als Schriftsteller und Filmemacher lebt, lässt sich dabei aber von der Schauspielerin Margarita Breitkreiz darstellen. »Klassenkampf« zeigt den Kampf um einen Platz innerhalb der deutschen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, auch Swobodniks Suche ist eine Emanzipationsgeschichte, die eindrucksvoll klarmacht, wie unbedingt notwendig der Ausbruch aus der stickigen Enge der kleinbürgerlichen Provinz für ihn war, und wie sehr ländliche und urbane Milieus sich in den letzten Jahrzehnten entfremdet, ausdifferenziert und völlig neu geordnet haben. Swobodnik versucht, seine eigene Geschichte auch theoretisch zu fassen, was zwar zu minutenlangen Textvorträgen führt, aber erst ermöglicht, das Geschehen bewusst einzuordnen. Und dass in einem deutschen Film, der sogar auf einem angesehenen Festival gezeigt wird, Sätze gesprochen werden, wie »Kraft der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel kann ein Teil der Gesellschaft den andern für sich arbeiten lassen und sich das Mehrprodukt seiner Arbeit aneignen. Diese Trennung und Ausbeutungsbeziehung begründet die Existenz der Klassen«, ist schon eine kaum für möglich gehaltene Sensation." Neues Deutschland

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